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High Tech, High Touch, High Impact - Erkenntnisse des 17. wissenschaftlichen Kongresses in Offenburg

Am 24. September 2025 lud der Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV) zum 17. Wissenschaftlichen Kongress nach Offenburg. Der Winfried-Lieber-Saal der Hochschule Offenburg bot den passenden Rahmen für einen Tag, an dem Forschung und Praxis nicht nur aufeinandertrafen, sondern lebendig miteinander diskutierten.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Thomas Eisele, Prorektor für Forschung und Transfer der Hochschule, der einen Einblick in Geschichte, das Studienangebot und die Forschungsschwerpunkte der Hochschule gab. DDV-Präsident Martin Nitsche begrüßte die Gäste im Anschluss im Namen des Verbandes und betonte die Rolle des Kongresses als „Plattform und Seismograph für die Entwicklungen unserer Branche“. Er erinnerte an die inhaltliche Vielfalt der vergangenen Jahre – von Social CRM über Blockchain bis hin zum Metaverse – und hob hervor, dass der Kongress 2025 durch das 40-jährige Jubiläum des Alfred Gerardi Gedächtnispreises (AGGP) einen besonderen Akzent erhielt.
Spannende Impulse aus fünf Forschungsfeldern
Den wissenschaftlichen Auftakt machte Prof. Dr. Manfred Krafft von der Universität Münster. In seinem Beitrag „B2B-Vertrieb im Wandel“ machte er deutlich, dass sich die Vertriebswelt in einem fundamentalen Umbruch befindet. Digitalisierung, veränderte Käufererwartungen und neue Formen der Interaktion treiben einen Paradigmenwechsel, den er als „Holistic Selling“ beschreibt. Darunter versteht er die Orchestrierung sämtlicher Touchpoints entlang der gesamten, von den Käufern getriebenen Customer Journey. Vertriebler würden damit weniger als klassische „Order Getter“ agieren, sondern zunehmend als Orchestratoren, die interne und externe Akteure, Daten und Technologien miteinander vernetzen. Besondere Herausforderungen entstünden durch hybride Vertriebsmodelle, die Motivation junger Generationen im „Digital-First“-Ökosystem sowie neue Anforderungen an Führung und Anreizsysteme. Kraffts zentrale Botschaft: Der B2B-Vertrieb der Zukunft muss technologiegestützt, kundenzentriert und orchestral gedacht werden ohne dabei den menschlichen Faktor zu verlieren.
Ihre Forschungsergebnisse zur Wahrnehmung von KI-generierten Inhalten stellte anschließend Prof. Dr. Diana Kolbe von der Hochschule Offenburg vor. Sie zeigte am Beispiel der Klimalotterie ClimaClic von Burda Direct basierend auf empirischen Studien, dass Konsumentinnen und Konsumenten zwar grundsätzlich offen für künstliche Intelligenz im Marketing sind, ihre Akzeptanz aber stark von Transparenz und Kontext abhängt. Sobald Marken nicht klar kommunizieren, ob Inhalte von Menschen oder Maschinen stammen, droht die anfängliche Begeisterung in Skepsis oder gar Ablehnung umzuschlagen. Kolbes Fazit lautete: Innovation darf Authentizität nicht verdrängen. Erfolgreiches KI-Marketing erfordert Ehrlichkeit, klare Rahmenbedingungen und eine sensible Einbettung in die Markenkommunikation.
Anschließend nahm Dr. Christian Huldi, Inhaber der DataCrea AG und u.a. Dozent an der HWZ in Zürich, das Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung des Dialogmarketings. Er spannte den Bogen vom klassischen Direktmarketing über die Anfänge des Customer Relationship Managements und Customer Experience Managements bis hin zur heutigen Ära der Künstlichen Intelligenz. Dabei machte er deutlich, dass technologische Innovationen zwar enorme Chancen eröffnen, aber nie den persönlichen Kontakt ersetzen können. Seine zentrale Botschaft lautete: High Tech braucht High Touch. Vertrauen, Empathie und Datenqualität bleiben trotz aller digitalen Möglichkeiten die härtesten Währungen im Dialog mit Kundinnen und Kunden.
Einen Perspektivwechsel eröffnete der Vortrag „Von Purpose zu Purchase“ von Prof. Dr. Heike Jochims von der HAW Hamburg, die im Anschluss an die Mittagspause die Kluft zwischen nachhaltiger Einstellung und tatsächlichem Kaufverhalten beleuchtete. Anhand einer aktuellen Studie zum Modekonsum zeigte sie, dass Konsumentinnen und Konsumenten Nachhaltigkeit zwar als Wert verinnerlicht haben, dies sich jedoch nur eingeschränkt im Einkaufsverhalten widerspiegelt. Preis, Verfügbarkeit und die Angst vor Greenwashing erwiesen sich als zentrale Kaufbarrieren. Dialogmarketing könne hier Brücken schlagen durch individuelle Ansprache, Transparenz, Community-Building und niedrigschwellige Angebote. Ihre Kernbotschaft lautete: Nachhaltiger Konsum braucht Kommunikation, die Werte in Verhalten übersetzt.
Zum Abschluss machte Prof. Dr. Uwe Seebacher, u.a. Dozent an der Hochschule München und der FH der WKW Wien, deutlich, dass die wachsende Datenflut im Marketing nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führt. Stattdessen warnte er vor einer zunehmenden Dashboard-Fatigue: Zu viele Kennzahlen können Orientierung eher erschweren als erleichtern. Entscheidend seien intelligente Systeme, die handlungsrelevante Insights liefern, statt nur Daten anzuhäufen. Seine Empfehlung an Unternehmen lautete klar: Weniger ist mehr. Es gehe darum, Informationen zu fokussieren, Prioritäten zu setzen und KI-gestützte Entscheidungshilfen gezielt einzusetzen.
40 Jahre Alfred Gerardi Gedächtnispreis
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die feierliche Verleihung des 40. Alfred Gerardi Gedächtnispreises (AGGP). Aufgrund der außergewöhnlichen qualitativen Ebenbürtigkeit der Einreichungen wurden sowohl in der Kategorie „Beste Masterarbeit“ als auch in der Kategorie „Beste Bachelorarbeit“ jeweils zwei Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet.
Die prämierten Arbeiten reichten von Studien zur Aufmerksamkeit in der Werbung über Vertrauen in KI-Influencer bis hin zu Analysen von Chatbots und Impulskaufmechanismen. Eine der Siegerinnen, Dunia Osman, konnte den Preis aufgrund eines Auslandsaufenthalts nicht persönlich entgegennehmen.
DDV-Präsident Martin Nitsche würdigte den AGGP als „Brückenbauer zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und gelebter Praxis“. Schirmherrin Mary Victoria Gerardi-Schmid überreichte gemeinsam mit der Printus Gruppe die Auszeichnungen. Anlässlich des Jubiläums unterstrich Nitsche die Bedeutung des Preises als Motor für Karrieren und Trendbarometer der Branche. Über 900 Einreichungen und mehr als 140 ausgezeichnete Nachwuchsforscherinnen und -forscher zeugen von seiner Strahlkraft.
Der DDV dankt der Hochschule Offenburg, insbesondere Prof. Dr. Thomas Eisele, für die Gastfreundschaft, allen Vortragenden für ihre wertvollen Impulse und der Printus Gruppe für ihre langjährige und außergewöhnliche Unterstützung.
Die lebendigen Diskussionen in den Pausen machten einmal mehr deutlich: Der Kongress lebt vom Dialog – von der Bereitschaft, Wissen zu teilen, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam die Zukunft des Dialogmarketings zu gestalten.
Unter dem nachfolgenden Link gelangen Sie zu den Bildern des wissenschaftlichen Kongresses und der AGGP-Preisverleihung. Die Bildrechte liegen bei der Printus GmbH.
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